The Middle (1.-9. Staffel)

Erst ich, dann meine Schwester und dann hat es die ganze Familie gesehen. The Middle, eine Serie über eine Familie aus der Mittelschicht. Chaotisch, verrückt, herzerwärmend und realitätsnah.

Eine Familie bestehend aus Frankie, Mike, Axl, Sue und Brick. Kurz: Die Hecks. Frankie arbeitet anfangs in einem Autohaus, wo sie die patriarchische Unterdrückung ihres Chefs immer wieder zu spüren bekommt. Mike arbeitet in einem Steinbau und ist totaler Colts-Fan (ich btw mittlerweile auch). Frankie und Mike sind die Eltern von drei Kindern, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Axl ist der Faulste von allen und spielt Football. Seine jüngere Schwester Sue trägt seit mehreren Jahren eine feste Zahnspange und ist unglaublich unbegabt in…allem, weshalb sie in keine AG’s ihrer Schule aufgenommen wird. Trotzdem ist sie überzeugend optimistisch und glaubt immer an sich selbst. Der Jüngste von allen heißt Brick und ist dem ersten Monat seines Lebens nicht Zuhause aufgewachsen. Seine besten Freunde sind seine Bücher, weshalb er der belesendste und schlauste der Familie ist und Bücher jeglicher sozialen Interaktion vorzieht. Zudem leidet er an unterschiedlichen „Ticks“.

Die Hecks wohnen in Orson, Indiana, in einem Bungalow, welcher immer unaufgeräumt ist, mit ihren Nachbarn, den Donahue’s und den Glossner’s, direkt nebenan. Kleinstadtleben eben.

Während dieser neun Staffeln durchlaufen die verschiedenen Charakteren unterschiedliche Lebensabschnitte. Von Highschoolabschluss, über College bis erste/n Freund/in und Pubertät, Eltern und Familienausflüge. Dabei ist die Handlung überraschend echt. Ich konnte immer wieder meine eigene Familie darin wiederfinden.

Ich liebe, liebe, liebe diese Serie! Ich hab gelacht, gelacht, mitgefiebert, wieder gelacht, und am Ende seufzend ausgeatmet. Wenn fiktive Charaktere einen Platz in meinem Herzen haben, dann sind es die Hecks.

Verrückt aber überraschend ehrlich. Hier wird das ausgesprochen, was gedacht und gefühlt wird.

The Middle ist Herz, Liebe, Familie, Leben. Alles in einem.

Gedanken-Diskussion #showerthoughts

Jeder kennt es: Die ausschlaggebenden Argumente fallen einem immer erst nach dem Gespräch ein. Häufiges Phänomen beim Duschen, wenn man die Diskussion noch einmal durchgeht und einem einfällt, was man hätte sagen können.

Manchmal führt man Gespräche mit sich selbst in Gedanken mit Personen, die einen verletzt haben, aber man vielleicht nie die Chance hatte ihnen genau diese Sachen zu sagen.

Dann hätte ich ihn gerne gefragt, für wen er sich eigentlich hält. Warum er mit seiner Direktheit und Ehrlichkeit geprahlt hat, um mir dann noch nicht mal sagen zu können, warum wir keinen Kontakt mehr haben. Dass es in meinen Kopf nach einem viertel Jahr immer noch nicht rein geht, warum jemand, wenn er ehrlich ist, nicht einmal ehrlich sein kann. Dann würde ich sagen, dass ich eh nicht viel von Menschen halte, die etwas sagen und sich dann nicht daran halten. Dass er sich für etwas besseres hält, aber nichts besseres ist.

Dann hätte ich ihm gesagt, dass ich seine Stimme vermisse. Dass ich mir manchmal seine alten Sprachnachrichten anhöre, nur um ihn noch einmal zu hören. Einfach um das nicht zu vergessen. Um seine Stimme überall wiederzuerkennen, falls ich ihn mal auf der Straße treffen sollte.

Dann hätte ich ihm gesagt, dass er mich wieder zum Lachen gebracht hat. Dass er genau zur richtigen Zeit in mein Leben getreten ist. Dann würde ich ihm sagen, dass ich ihn gerne wiedersehen möchte. Dass ich mich bei ihm wie positiv ausgewechselt gefühlt habe. Dass er mir den richtigen Schubs gegeben hat, sodass ich wieder durchstarten konnte.

Dann hätte ich ihm gesagt, dass dieses Aufkreuzen und Verschwinden mir zunehmend auf den Nerv geht. Dass ich keine Zeit für solche Spielchen habe. Dass er denkt, dass er mich kennt, aber mich nie kennengelernt hat. Dass ich lieber schon viel früher den Kontakt zu ihm abgebrochen hätte. Dass er mir nie gut getan hat, sondern mich nur aufgehalten hat.

Dann hätte ich ihm gesagt, dass über ihn Texte existieren. Dass er meine Inspiration war und manchmal noch ist. Dass ich gerne in unseren Erinnerungen schwelge. Dass ich manchmal doch lieber nicht an uns denke. Dass alles so richtig war, wie es gekommen ist.

Dann hätte ich ihm gesagt, dass er bitte aufhören soll. Dass er respektlos mir gegenüber gehandelt hat. Dass bei dem Gedanken an ihn das schlechte Bauchgefühl wieder auftaucht. Dass ich durch ihn wieder vorsichtiger geworden bin. Dass ich durch ihn noch mehr Bindungsängste bekommen habe.

Dann würde ich ihm sagen, dass ich ihn gut finde. Dass ich ihn mag. Dass ich es scheiße finde, dass uns so viele Kilometer trennen. Dass er mich durch die Diskussionen zum Schmunzeln bringt, die er mit mir anfängt. Dass ich seine erfrischende Art wertschätze.

Dann hätte ich ihm gesagt, dass es mir leid tut. Dass ich nichts dafür kann, dass ich keine Gefühle für ihn habe. Dass ich ihn mag, aber auf freundschaftlicher Basis.

Dann würde ich ihm sagen, dass ich alles stehen und liegen lassen würde. Nur für ihn. Weil er mir wichtig ist.

Dann hätte ich ihm für die schöne Zeit gedankt. Dass ich die Wochen mit ihm genossen habe. Dass ich hoffe, dass es ihm gut geht. Dass er seinen Weg geht und irgendwann an sein Ziel kommt.

Dann würde ich ihm sagen, dass ich hoffe, dass er ab und an an mich denkt. Dass ich ab und an an ihn denke. Dass ich ab und an an uns denke.

Tinder Algorithmus – How to get the perfect match

Ausschnitte meines Lebens #2

Da testet man für vier Monate mal sämtliche Dating-Apps für die Bachelorarbeit, aber auch irgendwie für sich selbst, und hat am Ende 600 Matches. Davon habe ich mit 200 Männern geschrieben (hauptsächlich auf Tinder). Also wenn ihr jemals dachtet, dass ihr Konkurrenz hättet, dann hattet ihr definitiv welche. Für mich war das trotzdem alles extrem anstrengend.

Nichts desto trotz, viel interessanter ist die Tatsache, dass der Algorithmus, der sogenannte Elo Score, dabei nach deinem Swipe- und Like-Verhalten, den Likes, die du bekommst und bestimmt noch andere „Kleinigkeiten“ von Daten, dir einen bestimmten Typus von Mensch auswirft. Zudem wird man von diesem Algorithmus einer bestimmten Zahl zugeordnet, das heißt, wenn du auf der Skala von eins bis zehn eine sieben bist, dann werden dir auch nur die sechsen, siebenen und achten vorgeschlagen. Sad story but true.

Fun fact ist dabei einfach, dass der Algorithmus dir einfach random zwischendurch eine zehn oder eine niedrigere Person vorschlägt, damit du dich besser fühlst und denkst „Oh, so eine wunderschöne Person ist in meinem Radar“, wobei die Wahrscheinlichkeit dabei ja ziemlich gering ist, dass eine zehn beispielsweise eine sechs liken würde.

Beim Swipen wird Dopamin ausgeschüttet, weil wir es einfach so toll finden, andere Menschen nach ihrem Aussehen zu bewerten. Kein Wunder, dass diese Apps auch so viele Nutzer haben. Man wird durch das Wischen und Liken sozusagen süchtig nach Dopamin.

Wie dem auch sei, das ist der Algorithmus kurz und knapp erklärt. Dabei muss ich während meiner vier Monate des Swipens auf Tinder auf einen ganz komischen Algorithmus gekommen sein. Dabei habe ich um die 30 Polizisten, viele Piloten, Hockey- und Footballspieler und Rettungssanitäter gezählt. Keine Ahnung, wie ich auf diesem Polizisten-Zweig kam, aber immer wenn jemand geschrieben hat, dass er Polizist sei, habe ich auflachen müssen. Vielleicht wollte mir Tinder auch einfach etwas mitteilen: „Mona, wird Zeit, dass du dich mal an die Regeln hältst!“

Da Tinder ja zu 200% die Daten speichert (man kann sogar seine Daten anfordern, soweit ich weiß) und dadurch auch die Chats gespeichert werden, muss der Inhalt dieser Unterhaltungen auch im Algorithmus vorhanden sein. So ist meine Vermutung, dass immer wenn das Wort „Polizist“ oder „Polizei“ gefallen ist oder ich „Du bist Polizist?“ geschrieben habe, sich der Algorithmus dachte „So, die hat noch nicht genug Polizisten kennengelernt, hier sind noch 20 weitere“. Also long story short: Ich habe jetzt meine eigene Einheit ohne jemals bei der Polizei gewesen zu sein, haha.

Interessant finde ich dabei auch, dass es die sogenannte Homophilie Hypothese gibt, dass sich Personen eher finden, die den gleichen Bildungsstand, das gleiche Alter (+- 2 Jahre) sowie die gleiche Attraktivität (gemessen am BMI) haben. Das würde zumindest bei Tinder auch das Bewerten von anderen Menschen erklären, sodass einem nur die vorgeschlagen werden, welche im gleichen „Attraktiviätsumkreis“ sind.

Nachdem ich dann nach vier Monaten meine verbliebenen Matches aussortiert habe, da ich sie für die Bachelorarbeit nicht mehr brauchte (keine Sorge, ich habe euch nur analysiert, bin im rechtlichen Rahmen und habe keine Daten direkt übernommen. War trotzdem eine geile Erfahrung 200 Leute von Euch kennenzulernen, meine Absichten waren dennoch immer ernst und die Bachelorarbeit nur ein Nebenprodukt) und habe sie erst mal auf eine kleine Summe von 140 Matches reduziert. Einfach so für mich. Witzigerweise hat sich dadurch auch komplett mein Algorithmus geändert. Tinder kam damit scheinbar am ersten Tag mit dem Verlust gar nicht klar und hat mir für eine Weile immer die gleichen Personen vorgeschlagen, obwohl ich diese schon weggewischt oder gelikt hatte. Auch nach dem Schließen und dem erneuten Öffnen bekam ich wieder dieselben vorgeschlagen, welche ich eigentlich schon gelikt oder genoped hatte. Einen Tag später hatte sich Tinder dann scheinbar von dem Schock erholt und ich war plötzlich auf einem ganz anderen Algorithmus. Ich dachte wirklich, dass ich im Umkreis schon alle gesehen hatte (schließlich „kannte“ ich ja 600 Menschen), mein neuer Algorithmus war da anderer Meinung. Wahrscheinlich wurde ich von den Menschen davor und meinem neuen Swipe-Verhalten einfach in eine neue „Zahlen-Kategorie“ eingeordnet. Danke dafür.

Tinder, I really appreciate it, dass du mir die Leute vorschlägst, die ich bereits schon kennengelernt habe, aber trotzdem ist das hardcore unangenehm, wenn man diese Personen schon aus dem real life kennt. Und mir ist dabei mal wieder klar geworden, dass ich definitiv so schon zu viele Leute kenne.

Also der ultimative Tipp von mir an Euch Online-Dater: wenn ihr den Algorithmus wechseln wollt, dann sortiert hardcore aus, ändert euer swipe- und like-Verhalten und tadaaa! ganz neue Gesichter werden euch präsentiert. Viel Spaß und Erfolg dabei euer Dopamin zu verbrauchen :p

PS: Nach einigen Tagen des Testens des neuen Algorithmus muss ich sagen: Bitte gebt mir meinen alten wieder zurück! 😀 I want my policemen back. Gebt mir also ein, zwei Tage und ich bin wieder zurück auf meinem alten Algorithmus. Muss nur meine Spur wiederfinden.

High Seas (2. Staffel)

Da sind wir wieder auf dem Meer Richtung Brasilien. Nach den Intrigen und dem Ende der ersten Staffel ließ sich nur eine weitere gute Staffel vermuten.

Das Schiff nimmt zu Beginn Schiffbrüchige auf, unter denen sich auch die übernatürlich begabte Casandra befindet, welche immer wieder Vorahnungen hat. Zudem taucht bei manchen der Schiffbewohnern immer wieder der Geist einer toten Frau auf. Doch wie sehr hat diese Frau und Casandra mit dem Schiff von Fernando zu tun? Eva und Carolina ermitteln wieder.

Ach, was soll ich sagen? Ich liebe den Schauplatz des Luxusschiffes, die Intrigen, die Krimalermittlungen und das Flair der 40er Jahre. Schaut euch nochmal diese tolle Kleidung und die klasse spanischen Schauspieler und Schauspielerinnen an! Ich bin ein absoluter Fan davon.

Ich habe mich anfangs sehr auf die zweite Staffel von High Seas gefreut, dennoch war ich von den ersten vier Folgen etwas enttäuscht. Diese haben mich zunächst zu sehr an Riverdale erinnert und ich dachte „was geht denn jetzt hier ab?“ mit dem ganzen Geist-Gehabe. Auch wer mit wem unter einer Decke steckt, fand ich diesmal irgendwie kompliziert. Jeder ist Schuld, aber irgendwie auch wieder nicht und man verliert den Überblick. Und wieso finde ich Fernando immer noch so komisch? Zudem fehlte mir irgendwie der Tiefgang zwischen den Figuren. Zeigt mir, warum Eva Nicolás will und andersherum!

Das Ende lässt zwar auf eine dritte Staffel hoffen, da es ja doch irgendwie nicht abgeschlossen ist, kann aber auch als Ende gesehen werden. Zudem möchte ich auch gerne wissen, wie es mit SPOILER Eva, Nicolás und seiner Frau weiter geht. Und btw, von wem ist Sofía eigentlich schwanger? Da muss ich irgendetwas verpasst haben. Doch nicht von dem Vater, oder? Aber auch das Ende, wer die Mörderin war, fand ich nicht gut. Das fiel wie vom Himmel à la „was fehlt noch? Ach der Mord muss noch aufgeklärt werden“. SPOILER ENDE

Ich mag Alta Mar wirklich gerne, für die nächste Staffel wünsche ich mir trotzdem wieder ein bisschen „Meer“.

Die Schachnovelle von Stefan Zweig

Nach der Schulzeit hatte ich eigentlich nie viel für weitere Reclambücher übrig. Das hat sich aber nach dem September 2018 geändert, denn dort wurde mir Die Schachnovelle von Stefan Zweig empfohlen.

Ich würde Euch gerne den Inhalt in kurzen Sätzen erklären, damit man weiß, worum es geht, ohne zu viel zu verraten, aber das ist wirklich unglaublich schwer.

Lasst es mich trotzdem versuchen: Auf einem Schiff von New York nach Buenos Aires befinden sich der Ich-Erzähler, ein Schachweltmeister namens Mirco Czentovic sowie der Ölmillionär McConnor und Dr. B (und natürlich weitere nicht nennenswerte Passagiere). Und wie der Name der Novelle verrät geht es natürlich um Schach.

Jetzt haben vielleicht die meisten nichts für Schach übrig so wie ich und denken, dass das nur langweilig sein kann. Also lasst mich Euch sagen, das ist es nicht.

Die Schachnovelle ist Stefan Zweigs letztes Buch gewesen ehe er sich in Rio de Janeiro 1942 das Leben nahm, nachdem er zwei Jahre zuvor aus Angst vor dem Nationalsozialismus ins Exil geflohen war.

Stefan Zweig thematisiert also nicht nur das Schachspiel an sich, sondern auch die Kriegsverbrechen des Zweiten Weltkrieges durch den Charakter des Dr. B’s.

Beim besten Willen ist das das spannendste Buch, das ich jemals gelesen habe. Ohne Mord und Totschlag. Stefan Zweig versteht es aus einem Schachspiel so etwas Spannendes zu kreieren. Ich habe vor Aufregung beim Lesen fast Herzrasen bekommen. Ich habe geschwitzt, so sehr wurde ich mitgerissen. Und am Ende konnte ich kaum glauben, wie mir geschehen war.

Ich habe genau zwei absolute Lieblings-Lieblingsbücher und die Schachnovelle ist eines davon. Aus sehr gutem Grund. Wenn ich dieses Buch in einem Wort beschreiben müsste, dann wäre es UNGLAUBLICH. Oder vielleicht auch GRANDIOS.

Die Schachnovelle von Stefan Zweig ist eines der besten Bücher, die je existieren werden. Durch simple Worte und einfache Sätze solch Spannung zu erzeugen, grenzt schon an Genialität. Das ist ein literarisches Werk, was einen Mitten ins Herz trifft und durch Mark und Bein geht, um sich dann im Gehirn festzusetzen.

The Witcher (1. Staffel)

Weder die Bücher gelesen, noch das Spiel gespielt. Bin bei dieser Serie einfach in einen fremden Fandom gesprungen.

In The Witcher geht es um den Hexer Geralt von Riva, welcher als Entlohnung für seine monstermäßigen Dienste das ungeborene Kind von Pavetta versprochen bekommt. Die Tochter Cirilla, oder einfach kurz Ciri, muss aber kurz nachdem Cintra angegriffen wird, fliehen. Die Vorherbestimmung besagt jedoch, dass Geralt sich um Ciri kümmern muss. Also sucht Geralt Ciri und Ciri sucht Geralt. So weit, so gut.

The Witcher hat mich an manchen Stellen sehr an Game of Thrones erinnert (jaja, don’t judge me). Diese verschiedenen Parteien, Krieg, Prinzessinnen, einer vögelt mit der nächsten und so weiter und so fort.

Zudem waren mir die Längen der Folgen zu lang. Ich bin da mehr der Fan von vierzig Minuten Folgen. In der Kürze liegt die Würze, you know. Und hätte mir nicht jemand vorher gesagt, dass es sich bei Geralt und Ciri um zwei verschiedene Zeitstränge handelt, wäre ich vermutlich komplett aufgeschmissen gewesen und hätte erst recht nichts verstanden. Spätestens aber in der letzten Folge hätte einem aber dann einiges klar sein müssen, was vielleicht etwas spät gewesen wäre. Eine Jahreszahl am Anfang der Sequenzen wäre wünschenswert gewesen (oder habe ich da was übersehen?). By the way, wieso sehen Geralt und Ciri sich eigentlich so ähnlich? Wie Vater und Tochter. War für mich anfangs auch verwirrend.

Nichts desto trotz sehenswert. Abgesehen davon, dass ich anfangs den Schauspieler von Geralt nicht erkannt habe, finde ich, dass Henry Cavill perfekt auf die Rolle passt. Er sieht nicht nur unglaublich gut aus, er bringt diesen unnahbaren Charakter auch sehr gut herüber. Jedoch würde die Serie nur mit ihm etwas kalt wirken, egal wie heiß er auch sein mag. Dabei bringt der Barde genau die richtige charakterliche Wärme durch seinen Witz ins Spiel. Manche Szenen sind sehr sarkastisch gehalten. Fand ich super, da musste ich schmunzeln.

Das Ende war sehr süß, nachdem SPOILER Geralt und Ciri endlich aufeinander treffen. Kurze Frage: Wieso fragt Ciri Geralt wer Yen ist? Hat sie das durch diese Verbindung gemerkt? SPOILER ENDE

Long story short: Wer auf Game of Thrones und sehr gute und spannende Schwertkämpfe (und Henry Cavill) steht, sollte sich The Witcher unbedingt anschauen. Sehr guter Cast, witzige Szenen, welche von actionreichen abgelöst werden (und umgekehrt). Für meinen Teil war die Serie aber eher durchschnittlich, weshalb ich der zweiten Staffel wahrscheinlich nicht beiwohnen werde. Großes SORRY an alle Witcher Fans.

Wenn drei NEIN nicht reichen

Ausschnitte meines Lebens #1

Es ist der 31. Januar. Sie hat morgens um sieben Uhr bereits arbeiten müssen. Die ganze Woche schon. Dementsprechend ist sie müde und freut sich schon darauf am nächsten Tag endlich ausschlafen zu können.

An dem Tag kommt aber er vorbei. Der, mit dem sie sich jetzt schon dreimal getroffen hatte und er sie immer küssen wollte. Sie aber nicht bereit dafür war. Warum nicht? Sie wollte, dass es etwas besonderes werden würde. Dass der Kuss etwas zu bedeuten hatte. Sie hatte gelesen, dass beim Küssen Hormone ausgeschüttet werden, die aufzeigen, ob der andere Mensch zu einem passt. An diesem Abend wusste sie, dass sie sich küssen würden. Sie würde herausfinden, ob sie zueinander passen.

Mittlerweile macht sie sich auch nicht mehr hübsch für ihn. Eigentlich ist ihr egal, was sie anhat. Sie trägt eine schwarze Jogginghose, einen blauen Pulli einer Freundin und Unterwäsche, die nicht zueinander passt, als er bei ihr klingelt. Kurz reden sie mit ihrer Mitbewohnerin, ehe beide in ihrem Zimmer verschwinden.

Sie gucken zusammen auf ihrem Bett Serie. Eine Serie, die sie bereits gesehen hat. Für sie ist klar, dass Netflix nicht „Netflix and chill“ also Sex bedeutet. Er scheint da anderer Ansicht zu sein, obwohl sie ihm das vorher klar gemacht hat.

Sie ist so müde, dass sie sich auf ihrem Kissen zurechtlegt und die Augen schließt. Er fragt, ob sie schlafen möchte. Am liebsten hätte sie laut JA geschrien, will ihn aber auch nicht nach einer Stunde rausschmeißen. Er klappt den Laptop zu, legt sich mit dem Gesicht neben sie und schließt ebenfalls die Augen. Nach kurzer Zeit sind seine Hände wieder an ihren Beinen und fahren über ihren Körper. Sie lässt es geschehen. Wäre ja nicht das erste Mal, dass er sie berührt und sie kann ihn ja auch nicht ewig hinhalten. Dann sind seine Hände unter ihrem Pulli, am Rücken, am Bauch. Ertasten gefühlt jeden Zentimeter ihres Körpers. Sein Gesicht kommt immer näher. Sie spürt seinen schnellen Atem. Gleich werden sie sich küssen. Jetzt wäre es zu spät ihn wegzuschicken.

Kurz darauf berühren sich ihre Lippen. Dann ist sie mal auf ihm, er mal auf ihr. Er bahnt sich seinen Weg durch ihre Klamotten. ‚Halt stop‘ denkt sie, ist aber zu müde, zu schlaftrunken, um etwas zu sagen. Ist doch okay, dass er das alles macht. Er hat ja mehrere Monate warten müssen. Es ist doch alles okay.

Er versucht mit der Hand zwischen ihre Beine zu gelangen. Sie zieht seine Hand wieder nach oben und schüttelt den Kopf. Nicht, weil sie keine Lust hätte, sondern weil sie das nicht mit ihm will. Sie küssen sich weiter. Kurz darauf versucht er es wieder. Erneut zieht sie seine Hand nach oben. Er sagt, dass das nicht fair sei. Sie antwortet, dass das Leben nun mal nicht fair ist. Er widerspricht und sagt, dass er dachte, dass sie wenigstens fair sei. Dann versucht er es ein drittes Mal. Ein letztes Mal sagt sie, dass sie das nicht möchte.

Wenig später liegen sie nebeneinander auf ihrem Bett. Er fragt, ob er gehen soll. Sie ist zu müde, zu schlaftrunken, um einen klaren Gedanken zu fassen. Aber trotzdem weiß sie, dass sie eben dreimal NEIN gesagt hat und er das nicht akzeptieren wollte. Sie weiß, dass er weiß, dass sie es langsam angehen will. Dass er ihr versprochen hat, dass sie sich alle Zeit der Welt nehmen kann und er ihr keinen Druck machen will.

Sie bringt ihn zur Haustür, sie küssen sich zum Abschied. Durch die Tür verlässt er ihre Wohnung und zu ihrem Glück auch ihr Leben.

Was aus ihr geworden ist? Manchmal, da bekommt sie noch Angstzustände. Da spürt sie seinen schweren Körper wieder auf ihrem. Da erinnert sie sich daran, wie müde sie war und er ihr NEIN nicht akzeptiert hat. Da stellt sie sich vor, was er alles gemacht hätte, was sie nicht gewollt hätte.

Was sie daraus mitnimmt? Dass sie sich von niemandem unter Druck setzen lassen sollte. Dass sie mit niemandem etwas zu tun haben sollte, der das Konzept des Wortes NEIN nicht versteht. Dass sie Treffen lieber absagen sollte, wenn sie müde ist. Dass NEIN sagen, nichts mit Fairness zu tun hat. Dass nicht nur die Hormone, welche bei einem Kuss ausgeschüttet werden, dir sagen, ob jemand der „Richtige“ für einen ist, sondern auch, wie er dich behandelt und welches Bauchgefühl die Person einem gibt. Sie achtet jetzt auf Handlungen, nicht mehr auf Worte. Vielleicht wartet sie jetzt lieber eine Ewigkeit, ehe sie sich sicher ist. Aber es ist okay, denn der blaue Pulli ist in einer Schublade unter dem Bett verschwunden.